Ich & Du - Beziehung und Liebe | beratung-therapie.de

 

Ich & Du

Der Dialog

 

Überlegungen und Philosophisches auf der Grundlage von Texten von Martin Buber

Es gibt die Verbindung "Ich" und "Es". Diese Verbindung bezeichnet die Welt der Erfahrung. Daneben gibt es die Verbindung zwischen "Ich" und "Du". Diese Verbindung bezeichnet die Welt der Beziehung. Der Mensch erfährt die Welt einerseits durch Erfahrung, und andererseits erfährt er sich selbst durch seine Beziehung mit Anderen und die dialogische Rückmeldung, die in den Beziehungen stattfindet.

"Die Welt als Erfahrung gehört dem Grundwort Ich-Es zu. Das Grundwort Ich-Du stiftet die Welt der Beziehung. (...) Der Erfahrende hat keinen Anteil an der Welt. Die Erfahrung ist ja >in ihm< und nicht zwischen ihm und der Welt. Die Welt hat keinen Anteil an der Erfahrung. Sie lässt sich erfahren, aber es geht sie nichts an, denn sie tut nichts dazu, und ihr widerfährt nichts davon" (a.a.O, S. 12).

Neben der Welt der Erfahrung existiert die Welt der Beziehung, und Beziehung bedeutet Gegenseitigkeit. Die unmittelbare Beziehung bedeutet ein Wirken am Gegenüber. Die Liebe ist zwischen den Partnern und haftet ihnen nicht an.

Darüber hinaus bedeutet Liebe Verantwortung füreinander. Im Beziehungserlebnis gibt es nur beide Partner in ihrer Ausschließlichkeit: Den Mensch und sein Gegenüber. Die Welt wird zum dualen System. Die Welt der Erfahrung - das Ich-Es - ist reines Nebeneinander.

Das Beziehungsstreben ist das erste Streben des Kindes. Am Anfang war die Beziehung. "In dem Kontakttrieb (Trieb zunächst nach taktiler, sodann nach optischer Berührung eines anderen Wesens) wirkt sich das eingeborene Du sehr bald aus, so dass er immer deutlicher die Gegenseitigkeit, die Zärtlichkeit meint; aber auch der später einsetzende Urhebertrieb (Trieb nach Herstellung von Dingen auf synthetischem oder, wo dies nicht angeht, auf analytischem Weg: durch Zerlegung, Zerreißung) wird dadurch bestimmt, so dass eine Personifizierung des Gemachten, ein Gespräch entsteht. Die Entwicklung der Seele im Kinde hängt unauflösbar zusammen mit der des Verlangens nach dem Du, den Erfüllungen und Enttäuschungen dieses Verlangens, dem Spiel seiner Experimente und dem tragischen Ernst seiner Ratlosigkeit" (a.a.O., S. 36-37). Das Kind lernt in der Beziehung zu seinen engen Bezugspersonen in dialogischer Rückmeldung sein eigenes Verhalten einzuschätzen. Es lernt sich selbst an dieser ersten Beziehung kennen, lernt zu lieben, lernt sich in andere Menschen einzufühlen, mit ihnen zu kommunizieren und vieles mehr. "Der Mensch wird am Du zum Ich. Gegenüber kommt und entschwindet, Beziehungsereignisse verdichten sich und zerstieben, und im Wechsel klärt sich, von Mal zu Mal wachsend, das Bewusstsein des gleich bleibenden Partners, das Ich-Bewusstsein" (a.a.O., S. 37).

Ist diese erste menschliche Beziehung gestört, kann es zu grundlegenden Störungen dieser Fähigkeiten kommen (beispielsweise fehlt bei manchen Persönlichkeitsstörungen die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen).

In der Geschichte der Menschheit ist eine Zunahme der Es-Welt - d.h. der materiellen Werte und des Erfolges vor der privaten Welt der Beziehung - festzustellen. Menschen erfahren und gebrauchen die "Welt" zum Zweck der Erhaltung, Erleichterung und Ausstattung des menschlichen Lebens. Daher muss der Mensch immer mehr seine erfahrenden und gebrauchenden Fähigkeiten ausbilden. Die Folge daraus ist meistens eine Minderung der Beziehungskraft des Menschen. Doch wer sich auf die materielle Welt - die Welt der Erfahrung - beschränkt, dem fehlt etwas. In der Beziehung zu anderen Menschen erhält man Einblicke in das eigene Wesen. Andere Menschen geben einem Rückmeldung auf das eigene Verhalten, was einem ermöglicht, die eigene Person an anderen zu spiegeln und einschätzen zu lernen. Menschen, die nur für sich in ihrer Gefühlswelt oder nur in einer materiellen Welt leben, bleiben ungeübt im Kontakt mit anderen Menschen und lernen nicht, sich in andere einzufühlen. Doch am anderen Menschen lernt man sich selber kennen, lernt andere Gefühlswelten kennen, in dem man versucht, sich in andere einzufühlen. Damit wird auch der eigene Erfahrungshorizont erweitert.

Die Fähigkeit, den anderen wirklich wahrzunehmen, ist die Voraussetzung für psychische Gesundheit.

 

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Zu den Literaturtipps

 
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Dipl.-Psych. Volker Drewes
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