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Migräne - Spannungskopfschmerz

Verbreitung und Ursachen

 

Definition

Migräne

Unter Migräne versteht man Kopfschmerzattacken, die wiederholt anfallsartig auftreten und meist eine Kopfseite betreffen. Begleitet werden diese Schmerzen oft von Sehstörungen und Störungen des Magen-Darm-Bereiches. Es werden grob zwei Formen der Migräne unterschieden: Spannungskopfschmerz ("common migraine") und Migräne im engeren Sinne ("classical migraine", "migraine accompagnée").


Krankheitsbild

Bei der Beschreibung des Krankheitsbildes soll hier zwischen Spannungskopfschmerz und Migräne im engeren Sinne unterschieden werden.

Spannungskopfschmerz

Beim Spannungskopfschmerz handelt es sich um einen meist langsam einsetzenden, schleichend beginnenden Schmerz, der beidseitig - "helmartig" - den Kopf betrifft und oft auch im Nacken angesiedelt ist. Der Schmerz selbst wird als stechend oder Druckschmerz beschrieben und kann tagelang andauern. Seine Intensität ist zumeist mittel bis stark und kann auch mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Reizempfindlichkeit einher gehen. Das Abklingen des Spannungskopfschmerzes erfolgt in der Regel langsam.

Migräne im engeren Sinne

Diese Art von Kopfschmerz setzt meist plötzlich ein oder mit dem Aufwachen, wobei sein Höhepunkt dann nach einer oder mehreren Stunden erreicht ist und bis zu 12 Stunden (in sehr schweren Fällen sogar mehrere Tage) anhalten kann. Der Schmerz klingt dann rasch wieder ab oder erst im Schlaf. Die Beschwerden beginnen zumeist halbseitig und breiten sich von der Schläfengegend über eine Schädelhälfte oder den gesamten Schädel aus. Sie werden als klopfend, pulsierend, bohrend, hämmernd oder hämmernd-pochend beschrieben und möglicherweise durch optische oder akustische Reize noch verstärkt. Die Schmerzintensität ist stark bis unerträglich und wird von Übelkeit und Erbrechen sowie Reizempfindlichkeit begleitet. Betroffene ziehen sich bei Migräneanfällen zurück, verdunkeln ihre Zimmer und haben den Wunsch allein zu sein. Zwischen den Anfällen sind sie zwar meist beschwerdefrei, die Attacken lassen zunächst aber nachhallenden Kopfschmerz und auch veränderte Stimmung zurück.

 

Krankheitsverbreitung

Eine genaue Benennung von Zahlen in diesem Zusammenhang ist äußerst schwierig, da man von einer besonders hohen Dunkelziffer ausgehen kann, geschätzt werden aber etwa 20% der Bevölkerung, wobei Frauen öfter betroffen zu sein scheinen als Männer. Etwa 6-8% der Bevölkerung nehmen wegen Migränebeschwerden therapeutische Hilfe in Anspruch.

 

Hintergrund

Als biologische Ursache des Spannungskopfschmerzes und der Migräne im engeren Sinne wird eine übermäßige Anspannung der Muskulatur im Schulter- Nacken- und Kopfbereich angesehen. Die Beschwerden, die hieraus erwachsen und enorm schmerzhaft sein können, werden auf Gefäßkrämpfe der großen Kopfarterien zurückgeführt. Diese Krämpfe stehen in einem engen Zusammenhang mit einem ständig angespannten Bewegungsapparat und beides zusammen in Beziehung zur seelischen Verfassung (über das vegetative Nervensystem).

 

Verschiedene Aspekte der psychosomatischen Krankheitsursachen

Aus psychosomatischer Perspektive wird die Organwahl "Kopf" ("höchster" Teil des Körpers) zumeist mit inneren und äußeren Leistungskonflikten in Zusammenhang gebracht, die aus überhöhten Ansprüchen an das eigene Vermögen resultieren. Oft wurden bei Migränepatienten sehr hohe Erwartungen an Erfolg und Anerkennung beobachtet, deren Enttäuschung besonders dann vorprogrammiert scheinen, wenn Schuldgefühle bei der Entfaltung eine Behinderung darstellen. Es ließ sich feststellen, dass Migränepatienten besonders häufig aus Familien stammen, in denen sehr hoher Wert auf Verstand und Leistung gelegt wurde. Vor diesem Hintergrund kann das Problem entstehen, dass Kinder die Erfahrung machen, nicht um ihretwillen, sondern hauptsächlich wegen ihrer rationalen Leistungen geliebt zu werden. Dadurch kann es passieren, dass sie sich mit dem Leistungskonzept der Eltern immer mehr identifizieren und den starken äußeren Druck verinnerlichen. Daraus folgt oftmals eine Unfähigkeit, sich effektiv zu entspannen oder zu genießen. Der eigene Kopf wird unter Druck gesetzt und Anstrengungen werden von ihm verlangt, die ihn überfordern, man "zerbricht sich den Kopf" und "zermartert sich das Hirn".

Erkrankungssituationen

Neben Leistungsdruck und Überforderung (viel und ohne Erfolg arbeiten), können auch Aufstiegssituationen (beruflicher und gesellschaftlicher Art) und Unvereinbarkeit von Leistungswünschen und Nichtleistendürfen, sowie verdrängte und / oder aufgestaute Wut zu Migräneanfällen führen. Es wurde auch beobachtet, dass nach Erreichen eines Ziels, welches großer Anstrengungen bedurfte, die Schmerzen einsetzen, so dass in diesem Fall die beginnende Entspannungssituation zum Auslöser wird.

 

Fallbeispiel nach Klußmann (1992)

Klußmann (1992) beschreibt eine 34jährige Sekretärin, die seit einem Jahr an Kopfschmerzen (am Hinterkopf und an der Stirn) litt, die sich in den letzten 6 Wochen verschlimmert hatten.

Sie beschrieb sich selbst als Kind, welches "unerwünscht" auf die Welt gekommen war und von einem "korrekten" strengen Vater und von einer verständnisvollen, aber sehr "ordentlichen" Mutter erzogen wurde. In ihrem Zuhause hätten besonders Leistung und "ein in jeder Hinsicht sauberes Auftreten" gezählt. Ein aktueller Konflikt hatte sich daraus ergeben, dass ihr Mann (selbständiger Kaufmann), mit dem sie seit 12 Jahren verheiratet war, ins Krankenhaus musste, wo er wegen eines Bandscheibenleidens operiert wurde. Bisher hatte sie sich aus den geschäftlichen Angelegenheiten ihres Mannes herausgehalten und sich stattdessen um den Haushalt gekümmert und "alles peinlich genau in Ordnung gehalten". Als sie den Bau eines eigenen Hauses begannen, war alles "kaum zu schaffen" gewesen. Seit dem ihr Mann aber im Krankenhaus ist, fühlt sie sich gänzlich überfordert, da alles auf ihr "lastet" (Geschäft, Haushalt, Hausbau), und sie leidet unter sehr starken Kopfschmerzen, die sich nur dann etwas bessern, wenn sie liegt. Die geschilderte Überforderungssituation ergibt sich also aus ihrem eigenen hohen Anspruchsniveau und der Tatsache, dass sie sich mit dem beruflichen und finanziellen Erfolg ihres Mannes in einer Aufstiegsposition befindet, an der sie mit hohem Einsatz mitwirkt, jedoch Versagensängste ihr "Kopfschmerzen bereiten".

 

Literaturempfehlungen


 

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Zu den Literaturtipps

 
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Dipl.-Psych. Volker Drewes
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