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Liebe, Lie­bes­fä­hig­keit - Angst und Sexu­a­li­tät

For­men von Liebe und ihre Bedeu­tun­gen

 

Liebe Liebesfähigkeit Angst Sexualität

 
 

Die Liebesfähigkeit

 

Die Auf­klä­rung des Phä­no­mens Liebe ist von gro­ßer Bedeu­tung für das gesamte Leben, das Lebens­glück und die psy­chi­sche Gesund­heit.

Die Fähig­keit zu lie­ben ist keine Selbst­ver­ständ­lich­keit und ist nicht auto­ma­tisch mit der kör­per­li­chen Aus­rei­fung der Geschlechts­or­gane da. Man muss als Kind Liebe erfah­ren haben, um seine Lie­bes­fä­hig­keit und sein Ver­trauen in die Umwelt aus­rei­chend ent­wi­ckeln zu kön­nen.

"Aus einer Reihe berühm­ter For­schungs­stu­dien, die der Psych­i­a­ter René Spitz initi­iert hat, geht her­vor, dass Klein­kin­der, die in Wai­sen­häu­sern, Kran­ken­häu­sern und ähn­li­chen Insti­tu­ti­o­nen unter­ge­bracht waren, wo sie meis­tens allein gelas­sen wur­den, zunächst schrieen, womit sie offen ihr Bedürf­nis nach der Wärme und Nähe eines bemut­tern­den Erwach­se­nen zum Aus­druck brach­ten. Nach einer gerau­men Zeit, wäh­rend wel­cher sie wenig oder gar keine Reak­ti­o­nen erhiel­ten, ver­fie­len sie in einen Zustand ver­schlos­se­ner Apa­thie. Das Schreien hörte auf. Ihre See­len, sofern man über­haupt in die Seele eines Klein­kin­des spä­hen kann, schie­nen wie ent­leert" (Mil­ler, 1996, S. 143).

In sei­nem ers­ten Lebens­jahr lernt das Kind, sei­ner Umwelt und sei­nen nächs­ten Bezugs­per­so­nen ent­we­der zu ver­trauen oder zu miss­trauen, d.h sie zu fürch­ten (siehe Erik­son). Hat das Kind gelernt, sei­ner Umwelt zu ver­trauen, kann es auch lie­bend auf sie zuge­hen. Hat es gelernt, sei­ner Umwelt zu miss­trauen, ent­wi­ckelt es Abwehr­re­ak­ti­o­nen, um sich vor ent­täu­schen­den Erfah­run­gen zu schüt­zen (z.B. Rück­zug vor ande­ren Men­schen).

"Das in Liebe ange­nom­mene und freie Kind kann sein Selbst ent­fal­ten und erpro­ben, ohne sich zu mani­pu­lie­ren. Die­ses Kind ist offen für alles Erle­ben, es kennt keine Tabus und erfährt seine Sinne, ent­wi­ckelt volle Sinn­lich­keit und ist bereit, Liebe zu geben, ohne etwas zu erwar­ten, zum Bei­spiel ein Lob, ein Geschenk oder nur das Ver­mei­den von Angst. Wenn man "liebt", um Angst abzu­weh­ren, ist das keine tief aus dem Her­zen mit allen Sin­nen emp­fun­dene Liebe" (Laus­ter, 1982, S. 87).

Die Lie­bes­fä­hig­keit sollte schon voll ent­wi­ckelt sein, wenn die Geschlechts­reife ein­setzt. Die Sexu­a­li­tät kommt dann als neue Erleb­nis­mög­lich­keit hinzu.

Sehr wich­tig für die Ent­wick­lung der Lie­bes­fä­hig­keit ist die Offen­heit der Sinne. Liebe ist ein sinn­li­ches Erleb­nis und ent­wi­ckelt sich nicht über den Ver­stand.

 

Liebe und Selbstbewusstsein

 

Bei vie­len Men­schen ist die Liebe mit Begierde ver­bun­den: Wer liebt, möchte den Men­schen, den er liebt, besit­zen. Doch Liebe in einer gesun­den Bezie­hung akzep­tiert die Unab­hän­gig­keit des ande­ren. Jeder sucht Nähe in einer Bezie­hung, doch in einer gesun­den Bezie­hung, in der man keine per­ma­nente und tief­lie­gende Angst vor Ver­lust des Part­ners hat, kann man auch ertra­gen, dass der Part­ner noch ein auto­no­mes Selbst hat, um ein gesun­des Ver­hält­nis zwi­schen dem Bedürf­nis nach Nähe und dem nach Distanz zu fin­den. Dazu ist ein gesun­des Selbst­be­wusst­sein sehr wich­tig.

"Das Selbst­be­wusst­sein hängt zen­tral mit den ver­gan­ge­nen Lie­bes­er­fah­run­gen und der dar­aus resul­tie­ren­den gegen­wär­ti­gen Lie­bes­fä­hig­keit zusam­men. Das Selbst kann nur stark und selbst­be­wusst wer­den, wenn das Kind sich von den Eltern ange­nom­men fühlt, ohne Ein­schrän­kung sei­ner Leben­dig­keit aus Angst vor Lie­bes­ent­zug" (Laus­ter, 1982, S. 97).

Man kann Selbst­be­wusst­sein nur ent­wi­ckeln, wenn man die Mög­lich­keit bekommt, sich selbst bewusst zu wer­den. Selbst­be­wusst­sein ist wich­tig für die Liebe. Sucht man in einer Part­ner­schaft das feh­lende Selbst­be­wusst­sein, ist das zum Schei­tern ver­ur­teilt, denn man braucht per­ma­nente Selbst­be­stä­ti­gung, damit man die­ses angeb­li­che Selbst­be­wusst­sein auf­recht­er­hal­ten kann.

Eine reife Liebe braucht Indi­vi­du­a­li­tät und ein auto­no­mes Selbst.

 

Liebe und Macht

 

Der Mensch, der sein Selbst und seine Lie­bes­fä­hig­keit nicht rich­tig ent­fal­ten konnte, strebt häu­fig vor allem danach, geliebt zu wer­den oder sich für die Liebe auf­zu­ge­ben, denn nur so kann er seine Angst vor dem Leben, vor Tren­nung und dem Allein­sein gering hal­ten.

"Die Angst ist der Gegen­pol der Liebe, und doch sind oft beide sehr eng bei­ein­an­der, die Angst ist das unver­a­r­bei­tete Kind­heits­trauma, nicht so ange­nom­men zu sein, wie man sich fühlt" (Laus­ter, 1982, S.89).

Im Kon­text der Liebe und von Sexu­a­li­tät sollte Angst viel eher als ein Phä­no­men, das mit der Bezie­hung zu tun hat, betrach­tet wer­den. Sie spielt sich zwi­schen den Per­so­nen und nicht in ihnen ab. Die Angst nimmt je nach Art der Schwie­rig­kei­ten, die ein Paar mit­ein­an­der hat, ver­schie­dene Ver­klei­dun­gen an. "In inti­men Bezie­hun­gen kann Angst unter dem Deck­man­tel des hilf­lo­sen Opfers erschei­nen oder sich als wohl­wol­len­der Tyrann zu erken­nen geben. In ande­ren Situa­ti­o­nen trägt sie die Maske der Miss­bil­li­gung oder das Gesicht eines gehor­sa­men Kin­des, das um jeden Preis gefal­len will. Es gibt noch viele andere Mög­lich­kei­ten; ihnen allen gemein­sam ist die­selbe Absicht, näm­lich im Namen der Liebe Macht aus­zu­ü­ben, manch­mal ins­ge­heim, manch­mal unver­hoh­len" (Mil­ler, 1996, S. 36). Dies ist der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis, warum man­che Bezie­hun­gen zu einem Macht­kampf aus­ar­ten. Jeder ver­folgt das Ziel, in sei­ner Form über die Bezie­hung zu herr­schen. Doch Liebe kann nicht berech­net wer­den. Ent­we­der wird die Liebe frei­wil­lig gege­ben, oder die Bezie­hung ver­kommt zu einer Farce.

 
 

Der Zusammenhang von Liebe und Angst

 

"Außer viel­leicht in den Viten von Hei­li­gen und ande­ren erleuch­te­ten See­len gibt es keine Liebe ohne Angst. Man muss sich schon ein ganz schö­nes Stück aus sei­nem Selbst hin­aus­leh­nen, wenn man jeman­den lie­ben will, und es macht immer Angst, erst recht wenn man schon die Erfah­rung der Tren­nung, des Betrugs oder räu­be­ri­schen Ver­hal­tens mit demje­ni­gen gemacht hat, an den man sich gebun­den hatte. Wir sind Krea­tu­ren, die auf dem Weg zum Erwach­sen­sein gelernt haben, das zu fürch­ten, was wir am meis­ten begeh­ren" (Mil­ler, 1996, S. 13).

Es gibt zwei zen­trale Ängste in einer Bezie­hung: Die Ver­lu­st­angst und die Angst davor, vom Part­ner ver­schlun­gen zu wer­den.

Angst ist auch einer der Haup­t­ur­sa­chen, dass Bezie­hun­gen oft zu einem Macht­kampf wer­den, in dem die Part­ner gegen­sei­tig ver­su­chen den ande­ren zu beherr­schen, um damit ent­we­der die Angst vor Ver­lust des Part­ners oder vor dem Ver­schlun­gen­wer­den durch den Part­ner zu bewäl­ti­gen. Eine alte phi­lo­so­phi­sche Weis­heit ist, dass Angst durch fast jede mensch­li­che Ver­samm­lung her­vor­ge­ru­fen wird. Angst hat mit dem Wis­sen der begrenz­ten Kräfte zu tun.

"Wo Liebe ist, da ist auch Angst und der Ver­such, sie mit Hilfe von Macht zu begren­zen, so wie über­all da Feuer ist, wo es raucht" (a.a.O., S. 80).

Jeder Mensch hat gesun­der­weise ein Bedürf­nis nach mensch­li­cher Nähe und Inti­mi­tät, aber auf der ande­ren Seite auch nach Auto­no­mie. Dar­aus resul­tie­ren einer­seits die Angst vor Ein­sam­keit und Ver­las­sen­wer­den und als Gegen­pol die Angst vor Ver­ein­nah­mung. Beide sind untrenn­bar.

Von der Gesell­schaft wird dem Mann eher die Angst vor der Ver­ein­nah­mung und der Frau die Angst vor dem Ver­las­sen­wer­den zuge­schrie­ben. Hier stellt sich zu Recht die Frage, inwie­weit kul­tu­relle Geschlech­ter­rol­le­ner­war­tun­gen auch das Rol­len­ver­hal­ten in einer Bezie­hung prä­gen.

Um Inti­mi­tät und Nähe zu erzeu­gen, muss man sowohl das Bedürf­nis nach Nähe, als auch die Auto­no­mie des jeweils ande­ren aner­ken­nen. In einer gesun­den Bezie­hung ist das Ver­hält­nis zwi­schen dem Bedürf­nis nach Nähe und dem nach Distanz aus­ge­wo­gen.

"In gesunden Beziehungen behalten die Partner die Fähigkeit bei, recht fein zu unterscheiden, wenn es um die Motive des jeweils anderen geht, trotz aller Faktoren - Projektionen aus der Vergangenheit, Antizipation der Wünsche und Absichten des anderen, soziale Erwartungen und kulturelle Einflüsse -, die, zusammengenommen, bei praktisch jeder menschlichen Kommunikation >Geräu­sche< erzeu­gen" (a.a.O., S. 80).

 

Liebe als Idealvorstellung: Schein und Wirklichkeit

 

Eine große Kluft zwi­schen Schein und Wirk­lich­keit setzt die Erwar­tun­gen an die Zwei­sam­keit einem ver­hee­ren­den Irr­tum aus: Das Ideal der über­aus roman­ti­schen Liebe ohne Gren­zen wird tag­täg­lich in Fil­men, der Wer­bung und zahl­rei­chen ande­ren Medien ver­brei­tet. Es wird die Über­zeu­gung genährt, dass die Erfül­lung des Lebens in der Bezie­hung zu fin­den sei, und die Vor­stel­lung wird ver­mit­telt, dass Liebe etwas sei, das in Über­fülle vor­han­den ist. Doch in der Pra­xis stellt sich meist her­aus, dass Liebe etwas ist, das nur knapp vor­rä­tig ist und nicht ewig dau­ert und dass nach dem ers­ten Hoch des Ver­liebt­seins der All­tag kommt, der bewäl­tigt wer­den will.

"Die offi­zi­elle Ein­stel­lung, die uns hin zu Liebe, Ehe und Fami­lie treibt, basiert auf der Ver­hei­ßung einer Über­fülle, wenn es sich wohl auch nur um eine Über­fülle han­delt, die in eher engen Gren­zen defi­niert ist. Man bringt uns bei, dass die Fami­lie dazu da sei, quasi all unsere frü­hen Bedürf­nisse nach Liebe zu stil­len, dass die Romanze mit einer bezau­bern­den frem­den Per­son für die mitt­le­ren Bedürf­nisse und dann noch ein­mal die Fami­lie für die spä­ten Bedürf­nisse zustän­dig sei." (Mil­ler, 1996, 117).

Solange die Liebe noch aus­rei­chend vor­han­den ist, kann der Glaube an die Bezie­hung noch rela­tiv leicht auf­recht­er­hal­ten wer­den, trotz gele­gent­li­cher Hin­der­nisse. Doch die wenigs­ten sind sich bewusst, dass eine lan­gan­dau­ernde und glü­ck­li­che Bezie­hung nur dann mög­lich ist, wenn man bereit ist, mit sei­nem Part­ner Kon­flikte (die unwei­ger­lich auf­tre­ten, wenn zwei Men­schen eine enge Bezie­hung ein­ge­hen) aus­zu­tra­gen, auch wenn das manch­mal "harte Arbeit " ist und in kei­ner Form dem Ideal der alles über­win­den­den Liebe ent­spricht.

Es ist wich­tig, die Bezie­hung als eine kon­ti­nu­ier­li­che Ent­wick­lung zu sehen, in der es kein Zurück zu einer frü­he­ren Phase der Bezie­hung (z.B. der Phase des ers­ten Ver­liebt­seins) gibt.

 

Gestörte Liebesstile - Gestörte Nähe-Distanz

 
  1. Angst vor Nähe bzw. Selbst­hin­gabe
    Es geht bei die­sem gestör­ten Lie­bess­til um Per­so­nen, die über­mä­ßige Angst vor Nähe haben. Nähe akti­viert bei ihnen Angst, die ihren Ursprung in früh in der Kind­heit erleb­ten ent­täu­schen­den Bezie­hungs­er­fah­run­gen hat. Ent­we­der haben sie einen häu­fi­gen Wech­sel der Bezugs­per­son oder den Ver­lust der Bezugs­per­son in der Frühst­zeit der Kind­heit erlebt. Um wei­tere Ent­täu­schun­gen zu ver­mei­den, zie­hen sie sich emo­ti­o­nal zurück und ver­mei­den nun ihrer­seits jede enge Bin­dung. Jede Nähe akti­viert wie­der ihre Angst vor dem Ver­las­sen­wer­den. Kein Wun­der, dass für sie Lie­ben und Geliebt­wer­den als extrem bedroh­li­che Ange­le­gen­heit emp­fun­den wird. Die mit einer Lie­bes­be­zie­hung ver­bun­dene Nähe kön­nen sie sich nur als ein sich aus­lie­fern und als Abhän­gig­keit ver­ste­hen. Sie suchen, um sich zu schüt­zen, die größt­mög­li­che Distanz zu ande­ren Men­schen.
  2. Angst vor Selb­stän­dig­keit
    Für Per­so­nen, die Angst davor haben selb­stän­dig zu sein, ist das wich­tigste Liebe, lie­ben wol­len und Geliebt­wer­den. Für sie bedeu­tet Nähe Sicher­heit und Gebor­gen­heit. Auch hier ist die Ver­lu­st­angst domi­nie­rend, doch diese wird bei ent­ste­hen­der Distanz akti­viert. Manch­mal rei­chen schon ein­fa­che Kon­flikte oder Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten aus, um die Angst zu akti­vie­ren. Ursa­che sind ent­täu­schende Bezie­hungs­er­fah­run­gen in der Kind­heit. Die ent­täu­schende Erfah­rung (z.B.: sie wur­den von der Bezugs­per­son ver­las­sen oder ver­nach­läs­sigt) ver­su­chen sie nun, als Erwach­se­ner zu kom­pen­sie­ren, in dem sie sich für eine Bezie­hung völ­lig auf­op­fern. Sie ver­su­chen sich unent­behr­lich zu machen, um nicht ver­las­sen zu wer­den. Sie sind auf ihren Part­ner ange­wie­sen und brau­chen so viel Nähe wie mög­lich. Distanz ist gleich­be­deu­tend mit Ver­las­sen- und Allein­ge­las­sen­wer­den. Abhän­gig­keit gibt Sicher­heit, und Eigen­stän­dig­keit und Unab­hän­gig­keit akti­vie­ren Ver­lu­st­angst. Um sich vor die­ser Angst zu schüt­zen, suchen sie die größt­mög­li­che Nähe.
  3. Angst vor der Ver­gäng­lich­keit
    Die Sehn­sucht nach Dauer ist eine sehr frühe und gehört zum Wesen des Men­schen dazu. Die ver­läss­li­che Wie­der­kehr des Gewohn­ten und Ver­trau­ten ist ist für die kind­li­che Ent­wick­lung aus­ge­spro­chen wich­tig. Es ermög­licht die Ent­fal­tung spe­zi­fisch mensch­li­cher Eigen­schaf­ten wie Gefüh­len und Lie­bes­fä­hig­keit, und es ermög­licht die Ent­wick­lung von Ver­trauen. Bei zwang­haf­ten Men­schen ist das Stre­ben nach Dauer und Sicher­heit über­mä­ßig stark. Sie ver­mei­den Ände­run­gen jeder Art. Ver­än­dert sich etwas, akti­viert das bei ihnen Angst, die sie ver­su­chen zu ver­mei­den. Ursa­che sind Erfah­run­gen in der Kind­heit. Es kann sein, dass sie ein Eltern­haus hat­ten, das ihnen keine Ver­läss­lich­keit bie­ten konnte, oder aber auch das genaue Gegen­teil, ein Eltern­haus in dem starre und zwang­hafte Regeln vor­herrsch­ten.
     
    Sol­che Men­schen haben Angst, es würde Chaos aus­bre­chen, sobald sie die Kon­trolle lockern. Liebe als ein irra­ti­o­na­les Gefühl, das sich zu unkon­trol­lier­ba­rer Lei­den­schaft stei­gern kann, muss für zwang­hafte Men­schen ein zutiefst beun­ru­hi­gen­des Gefühl sein. Sie ver­su­chen alles unter eige­ner Kon­trolle zu haben, was bei einem so star­ken Gefühl wie der Liebe nahezu unmög­lich ist.
  4. Angst vor dem End­gül­ti­gen
    Diese Per­so­nen stre­ben nach Ver­än­de­rung und Frei­heit. Sie beja­hen alles Neue und wol­len sich nicht fest­le­gen. Ursprung sind Fehl­ent­wick­lun­gen in der Kind­heit. In der Phase, in der das Kind beginnt in die Welt der Erwach­se­nen hin­ein­zu­wach­sen, Gebote und Ver­bote lernt und sein Selbst­be­wusst­sein ent­wi­ckelt, braucht das Kind Vor­bil­der für sei­nen Selbst­ent­wurf. Vor­bil­der, die ihm die Welt der Erwach­se­nen als erstre­bens­wert erschei­nen las­sen. Haben sie das nicht, ist auch ihr Selbst­wert unter­ent­wi­ckelt. Sie suchen in einer Bezie­hung die Stei­ge­rung des Selbst­werts durch den Part­ner. Sie lie­ben die Liebe und ver­su­chen in ihr, ihre Erleb­nis­qua­li­tät zu stei­gern, die sie über sich selbst hin­aus wach­sen lässt. Die Liebe des Part­ners dient nur dazu, ihren Selbst­wert zu stei­gern.
 

Liebe und Sex - Gestörte Formen der Sexualität

 
  • Angst vor Nähe
    Für die Per­so­nen, die Angst vor Nähe haben, ist das Inte­grie­ren der Sexu­a­li­tät sehr schwer. Da sie jeg­li­chen engen Kon­takt mit ande­ren Men­schen mei­den, sind sie im Umgang mit ande­ren Men­schen unge­übt, und dar­über hin­aus sind ihnen Zärt­lich­keit und ver­ba­ler und emo­ti­o­na­ler Aus­druck von Zunei­gung fremd. Außer­dem fehlt ihnen die Fähig­keit, sich in andere Men­schen ein­zu­füh­len. Der Kon­flikt zwi­schen drän­gen­den sexu­el­len Bedürf­nis­sen und ihrer Angst vor Nähe kann so gelöst wer­den, dass nur schnelle sexu­elle Aben­teuer gesucht wer­den, die vom Gefühls­le­ben abge­spal­ten sind. Der Part­ner ist dann nur Sexu­al­ob­jekt und wegen der emo­ti­o­na­len Unbe­tei­ligt­heit aus­tausch­bar.
     
    Durch ihre Angst vor einer emo­ti­o­na­len Bin­dung zu einem ande­ren Men­schen suchen sie sich in man­chen Fäl­len auch Ersat­z­ob­jekte, wie es bei­spiels­weise beim Feti­s­chis­mus der Fall ist.
  • Angst vor Selb­stän­dig­keit
    Geliebt­wer­den und Lie­ben ist das wich­tigste für Per­so­nen, die Angst vor der Selb­stän­dig­keit haben. Distanz erzeugt Angst vor dem Ver­las­sen­wer­den. Die Sexu­a­li­tät ist ihnen nicht so wich­tig wie die Liebe. Doch sie sind im Kör­per­li­chen ebenso bereit, dem Part­ner alles zu geben was er will, wie sie in allen ande­ren Berei­chen bereit sind, sich völ­lig für den Part­ner auf­zu­op­fern. Bei gro­ßer Abhän­gig­keit fin­den sich auch alle mög­li­chen For­men des Maso­chis­mus bis zur Hörig­keit. Dahin­ter steht häu­fig die Vor­stel­lung, dass man den Part­ner nur hal­ten kann, wenn man völ­lig sei­nem Wil­len nach­gibt.
  • Angst vor der Ver­gäng­lich­keit
    Sol­che Men­schen haben vor allem Angst was neu ist und nicht ihrer Kon­trolle unter­liegt. Je stär­ker aus­ge­prägt diese Angst ist, desto pro­ble­ma­ti­scher ist ihre Ein­stel­lung zur Sexu­a­li­tät (wie zu allen ande­ren Lebens­freu­den und Genuss­mög­lich­kei­ten auch). Sexu­a­li­tät wird häu­fig ein­ge­plant, dadurch fehlt Lei­den­schaft, auch bedingt durch Man­gel an ero­ti­scher Phan­ta­sie und man­geln­der Ein­füh­lung in den Part­ner.
     
    Nicht sel­ten hat die Sexu­a­li­tät einen sadis­ti­schen Ein­schlag, aus­ge­drückt in dem Ver­such, den Part­ner der eige­nen Kon­trolle zu unter­wer­fen. Es kann auch sein, dass früh erwor­bene Scham­ge­fühle erhal­ten geblie­ben sind und die Sexu­a­li­tät zu etwas macht, das nur in einem fes­ten Rah­men und unter bestimm­ten Bedin­gun­gen erlaubt ist.
     
    Es ist auch häu­fig so, dass diese Men­schen einen über­mä­ßig aus­ge­präg­ten Leis­tungs­wil­len haben, den sie auch in der Sexu­a­li­tät aus­le­ben und eine sexu­elle Bezie­hung zu einer Bewäh­rung ihres Leis­tungs­wil­lens wird.
     
    Man fin­det bei ihnen auch häu­fig eine Tren­nung zwi­schen Liebe und Sexu­a­li­tät. Das drückt sich so aus, dass sie die Per­son, die sie lie­ben nicht begeh­ren kön­nen, da sie der gelieb­ten Per­son die als schmut­zig emp­fun­dene Sexu­a­li­tät nicht zumu­ten kön­nen und in der Umkeh­rung auch die Per­son, die sie begeh­ren, nicht lie­ben kön­nen.
  • Angst vor dem End­gül­ti­gen
    Sie haben Angst vor dem End­gül­ti­gen, geni­e­ßen alles, was ihre Lebens­freude und ihren Selbst­wert stei­gert. Sie ver­su­chen stän­dig ihre Erleb­ni­sin­ten­si­tät zu stei­gern. Sie sind in Lie­bes­be­zie­hun­gen inten­siv, lei­den­schaft­lich und for­dernd. In der Sexu­a­li­tät lie­ben sie die Abwechs­lung und sehen sie gern als Mit­tel zum Zweck, sowohl zur Stei­ge­rung ihres Selbst­wer­tes, als auch zur Macht­aus­übung über den Part­ner.
 

4 Schritte Programm bei sexuellen Problemen

Das zum Download angebotene Übungsmodul dient dazu, sexuelle Probleme, wie z.B. Erektonsstörungen oder fehlende Lustempfindungen, mit Hilfe eines logisch in Einzelschritten aufgebauten Lernprogrammes abzubauen und besser damit umzugehen. Die ersten drei Schritte beschreiben die allgemeinen Inhalte des Lernprogrammes und sind Voraussetzung für Schritt 4, wo speziell das Thema "Sexuelle Schwierigkeiten" bearbeitet wird.

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Die Bedeutung der Sexualität bei Freud und Reich

 

Liebe und Sexu­a­li­tät gehö­ren zwar zusam­men, dür­fen aber auf kei­nen Fall mit­ein­an­der ver­wech­selt wer­den. Es gibt Sexu­a­li­tät ohne Liebe, und Liebe kann sich auch ohne Sexu­a­li­tät ent­fal­ten. Der Begrün­der der Psy­cho­ana­lyse, Sig­mund Freud, betonte die Bedeu­tung der Ent­fal­tung und Befrei­ung der Sexu­a­li­tät für die see­li­sche Gesund­heit. "Die ver­dräng­ten sexu­el­len Trie­bim­pulse, die so typisch für seine Zeit um die Jahr­hun­dert­wende und danach waren, sind ihm bei der Behand­lung und Ana­lyse sei­ner Pati­en­ten auf­ge­fal­len, und er hat der Sexu­a­li­tät im See­len­le­ben des Men­schen den ihr gebüh­ren­den wich­ti­gen Platz ein­ge­räumt" (Laus­ter, 1982, S. 21). Freud stellte fest, dass bereits das Kind Pha­sen sexu­el­ler Ent­wick­lung durch­läuft: die orale, anale und geni­tale Phase und sah die Ent­wick­lun­gen und Erfah­run­gen in die­sen Pha­sen als bedeut­sam für das spä­tere Sexu­al­le­ben des Erwach­se­nen an.

Nach Freud hat vor allem Wil­helm Reich (auf Freud auf­bau­end) die Bedeu­tung der Sexu­a­li­tät bei der Ent­ste­hung psy­chi­scher Stö­run­gen ins Zen­trum gestellt. "Nach Reich ist die Ablei­tung sexu­el­ler Erre­gungs­ener­gie durch den Orgas­mus eine Vor­aus­set­zung für das kör­per­li­che und psy­chi­sche Wohl­be­fin­den, woge­gen die auf­ge­staute Erre­gung zu Span­nungs­zu­stän­den führt, zur all­ge­mei­nen und zur spe­zi­el­len Mus­kel­ver­kramp­fung, zu see­li­scher Gespannt­heit sowie zu Frus­tra­ti­ons­re­ak­ti­o­nen. Das Fazit von Freud und Reich: Die volle sexu­elle Befrie­di­gung ist von gro­ßer Bedeu­tung für das see­li­sche Wohl­be­fin­den. Man­gelnde sexu­elle Befrie­di­gung führt zum Auf­bau von Frus­tra­ti­onss­pan­nung. Freud glaubte, dass die Sub­li­mie­rung des Sexu­al­triebs mög­lich sei, wäh­rend Reich stär­ker bio­lo­gisch ori­en­tiert war und die Trieb­be­frie­di­gung für abso­lut not­wen­dig hielt, um der Neu­rose oder Psy­chose zu ent­ge­hen" (a.a.O., S. 22).

Beide habe ihren Anteil an der sexu­el­len Befrei­ung geleis­tet. Viele Psy­cho­the­ra­peu­ten folg­ten ihrer Auf­fas­sung, dass die Befrei­ung der Sexu­a­li­tät den Pati­en­ten gesun­den lasse. Sexu­a­li­tät macht nur einen Teil des See­len­le­bens aus. Die Ent­fal­tung und Befrei­ung der Sexu­a­li­tät kann zwar den Gesun­dungs­pro­zess posi­tiv ansto­ßen, befreit aber nicht auto­ma­tisch den Men­schen von sei­nen psy­chi­schen Stö­run­gen. Heute hat die Sexu­a­li­tät häu­fig Domi­nanz vor der Liebe erreicht. Sexu­a­li­tät wird so wich­tig genom­men, dass sie oft mit Liebe ver­wech­selt wird.

Sexu­a­li­tät wird kon­su­miert, wie viele andere Genuss­mit­tel oder Reize, und Sexu­al­kon­sum führt zu kei­ner inne­ren Befrei­ung, da so der Sexu­a­li­tät die Erfül­lung durch die Liebe fehlt.

 

Die Bedeutung der Sexualität für die Liebe

 

Es ist wich­tig, dass Liebe und Sexu­a­li­tät nicht ver­wech­selt wer­den. Die Sexu­a­li­tät ist ein hor­mo­nell gesteu­er­ter Trieb und wich­tig für das see­lisch-kör­per­li­che Gleich­ge­wicht. Doch sexu­elle Trieb­be­frie­di­gung ohne Liebe ist eine iso­lierte sinn­li­che Wahr­neh­mung. Häu­fig sind Men­schen rein auf diese Trieb­be­frie­di­gung fixiert, doch das bedeu­tet eine starke Ein­schrän­kung des Erle­bens. Da Sexu­a­li­tät trieb­ge­bun­den ist, pas­siert es leicht, dass Men­schen sich auf sexu­elle Reize und sexu­elle Befrie­di­gung fixie­ren. Diese Fixie­rung auf die Sexu­a­li­tät ist weit ver­brei­tet und resul­tiert dar­aus, dass die Fähig­keit zu lie­ben bei vie­len Men­schen unter­ent­wi­ckelt ist. Die Lie­bes­fä­hig­keit sollte schon ent­wi­ckelt sein, bevor die Geschlechts­reife ein­setzt. Sexu­a­li­tät erhält durch Liebe erst ihre Schön­heit und ihre see­li­sche Bedeu­tung.

"Zuerst muss die Liebe da sein, erst dann wird die Sexu­a­li­tät über die bloße Trieb­be­frie­di­gung hin­aus sinn­voll und see­lisch erfül­lend" (Laus­ter, 1982, S. 237). Durch Liebe erhält umge­kehrt die Sexu­a­li­tät ihre Bedeu­tung.

 
 

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