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Angst - Ursa­chen und The­ra­pie

Angst­stö­run­gen bzw. Angst­er­kran­kun­gen ver­ste­hen und behan­deln

 

Inhalt

 
 

Fast alle Men­schen ken­nen das Gefühl der Angst in irgend­ei­ner Form. Angst­stö­run­gen bzw. Angst­er­kran­kun­gen sind weit­ver­brei­tet (s.u.). Die Suche nach den Usa­chen und der Ent­ste­hung, das Ver­ste­hen der Sym­ptome, die Frage ab wann Angst krank­haft ist, und schließ­lich die The­ra­pie einer Angst­stö­rung - dar­auf kön­nen sie auf die­ser Seite Ant­wor­ten fin­den. Hier ein schö­nes Zitat:

Angst

"Angst: Gefühl schau­dern­der und been­gen­der Erre­gung, das von der kurz­fris­ti­gen Beklem­mung über For­men von Besorg­nis, Bestür­zung, Läh­mung bis zur chro­ni­schen Ver­zweif­lung und Panik reicht. Psy­cho­lo­gisch wird Angst als Zustand (state anxiety, Erre­gungs­an­span­nung bei aku­ter Bedro­hung) und Angst als Eigen­schaft ( trait anxiety, dis­po­si­ti­o­nelle Ängst­lich­keit, unab­hän­gig von aku­ter Bedro­hung) unter­schie­den" (dtv-Atlas zur Psy­cho­lo­gie, 1995, S. 447).

In einer Stu­die von Sche­pank 1984 gaben 46% einer Stich­probe Angst­ge­fühle an und bei 16% hatte es sym­ptom­wer­ti­gen Cha­rak­ter. 70% der Psy­cho­the­ra­pie suchen­den Pati­en­ten haben Angst als Thema, bei 20 - 30 % hat es die Bedeu­tung eines Sym­ptoms (RUDOLF 1981).

Neben Freude, Trauer, Wut, Schuld und Scham ist Angst eines der Grund­ge­fühle, die bei jedem Men­schen lebens­be­glei­tend sind. In den ver­schie­de­nen Ent­wick­lungs­ab­schnit­ten ist die Angst mit unter­schied­li­chen Inhal­ten aus­ge­stat­tet. Angst kann bewusst erlebt wer­den, aber auch unbe­wusst wir­ken. Angst kann als War­nung vor Gefah­ren oder auch als ein unver­ständ­li­ches Sym­ptom auf­tre­ten (z.B. Angst vor Hun­den ist nach­voll­zieh­bar, doch die Angst vor Strah­len, die der Woh­nungs­nach­bar aus­sen­det ent­spre­chen kei­ner rea­len und nach­voll­zieh­ba­ren Bedro­hung/ reale Bedro­hun­gen ver­sus innere Gefah­ren).

 

Premiumtext: Angst als Phänomen

,,Wenn ich alle die Gefühle und ihren qualvollen Widerstreit auf ein Grundgefühl zurückführen und mit einem einzigen Namen bezeichnen sollte, so wüßte ich kein anderes Wort als: Angst. Angst war es, Angst und Unsicherheit, was ich in allen jenen Stunden des gestörten Kinderqlücks empfand: Angst vor Strafe, Angst vor dem eigenen Gewissen, Angst vor Regungen meiner Seele, die ich als verboten und verbrecherisch empfand." Hermann Hesse

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Das Gefühl von Angst

 

Das Gefühl der Angst ist mit der gedank­li­chen Vor­weg­nahme einer Gefahr ver­bun­den, gegen die man hilf­los ist. Angst drückt sich kör­per­lich durch erhöhte Erre­gung und erhöhte Auf­merk­sam­keits­leis­tung aus. In man­chen Fäl­len steht die kör­per­li­che Erre­gung, in ande­ren der gedank­li­che Aspekt im Vor­der­grund.

Die psy­chi­schen und kör­per­li­chen Aspekte der Angst kön­nen sehr ver­schie­den­ar­tig erlebt wer­den: Ver­mu­tet man die Gefahr von außen, rich­tet sich die erhöhte Auf­merk­sam­keits­leis­tung auch nach außen. Wird die Ursa­che der Angst im eige­nen Kör­per gese­hen, wie z.B. die Angst vor einem dro­hen­den Herz­in­farkt, so dient die erhöhte Auf­merk­sam­keits­leis­tung der Selbst­be­ob­ach­tung, was wie­derum die kör­per­li­che Erre­gung stei­gert.

Angst bedrückt Men­schen in unzäh­li­gen Son­der­for­men, doch ist die Angst­lo­sig­keit auch bedroh­lich. Obwohl Angst nega­tiv besetzt ist, suchen Men­schen sie gele­gent­lich frei­wil­lig auf (Angst als Lust) und selbst Klein­kin­der kön­nen Angst gele­gent­lich geni­e­ßen.

 

Haben Sie Ängste? Machen Sie den Test!

Der Fragebogen wurde von Herrn Prof. Dr. Michael Stark aus Hamburg entwickelt und freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Er ist Chefarzt der Abt. für Psychiatrie und Psychotherapie am Krankenhaus Hamburg Rissen und forscht auf dem Gebiet unterschiedlicher psychischer Störungen.

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Wann ist Angst krankhaft

 

The­o­rien zur Angst ent­stan­den haupt­säch­lich in der Psy­cho­ana­lyse, der Lern­the­o­rie und der Kogni­ti­ons­psy­cho­lo­gie.

  1. Bei Sigmund Freud gilt das Ich als >Angst­stätte<, dem Furcht­ge­fühle "ein­ge­flößt" wer­den. Geschieht dies durch reale Bedro­hun­gen aus der Außen­welt, spre­chen wir von einer nor­ma­len Anpas­sungs­re­ak­tion. Sind dafür jedoch ver­drängte Triebe aus der sog. ES-Instanz ver­ant­wort­lich, so han­delt es sich um neu­ro­ti­sche Ängste; das glei­che gilt für Impulse aus dem sog. Über-Ich (die Gewis­sens­in­stanz, die gesell­schaft­li­che Werte und Werte der Eltern reprä­sen­tiert).
  2. Die Lern­the­o­rie (I.P. Paw­low): Hier ist Angst eine erlernte Reak­tion. Es gibt angst­aus­lö­sende Reiz­kon­stel­la­ti­o­nen (ein bestimm­ter Reiz ist durch Kopp­lung mit einer angst­aus­lö­sen­den Situa­tion zu einem Reiz, der eine Angst­re­ak­tion aus­löst, umge­wan­delt gewor­den) Die Angst­re­ak­tion ist ein Mecha­nis­mus der Gedächt­nis­leis­tung.
  3. Kogni­tive Angst­the­o­rien: Hier wer­den zur angst­be­zo­ge­nen Wahr­neh­mung beson­ders die emo­ti­o­na­len Kon­se­quen­zen aus der Infor­ma­ti­ons­ver­a­r­bei­tung durch das Indi­vi­duum her­vor­ge­ho­ben. Sol­che Mecha­nis­men der Infor­ma­ti­ons­ver­a­r­bei­tung sind denk­bar als Weg­fall der eige­nen Kon­trolle (J.B. Rot­ter) oder als gelernte Hilf­lo­sig­keit (E.P. Selig­man), sowie auch als Folge von Kon­troll­ver­lus­ten durch Fremd­heit, Unge­wiß­heit, Ver­lust von Gebor­gen­heit, Ver­las­sen­heit, Vor­weg­nahme von Bedro­hung, Zukunfts­un­si­cher­heit, Hoff­nungs­lo­sig­keit, usw.
  4. Dar­über hin­aus gibt es eine patho­lo­gi­sche Angst­lo­sig­keit, die Angst­mo­mente igno­riert: Angst­lust als Risi­ko­be­las­tung, die bele­bend wirkt.

Krank­hafte Angst kann zu emo­ti­o­na­len Dau­er­schä­den (z.B. chro­ni­sche Panik) füh­ren. Oft kommt es auch zu einer lebens­lan­gen pes­si­mis­ti­schen Erwar­tungs­hal­tung (Atkin­son) der Zukunft gegen­über. Das Thema der Angst ist des­we­gen zu einem der wich­tigs­ten The­men der Emo­ti­ons­psy­cho­lo­gie gewor­den und alle wich­ti­gen Psy­cho­the­ra­pie­rich­tun­gen stre­ben die Besei­ti­gung krank­haf­ter Angst an.

 

Entstehung und Entwicklung von Angst

 

Angst dif­fe­ren­ziert sich im Laufe des Lebens. Die ers­ten sicht­ba­ren Furcht­re­ak­ti­o­nen zei­gen sich bei Kin­dern im 4. - 6. Monat, das Frem­deln tritt ca. im 8. Monat auf ("Acht-Monats-Angst") und ist die Angst vor frem­den Per­so­nen, nach­dem nun erst zwi­schen "fremd" und "ver­traut" unter­schie­den wer­den kann. Typisch für Kin­der ist die Angst bei Abwe­sen­heit der sicher­heits­pen­den­den Per­son (meist die Mut­ter). Län­gere Abwe­sen­hei­ten der ver­trau­ten Per­son kann das Kind erst ertra­gen, wenn es ein inne­res Bild die­ser Per­son auf­recht­er­hal­ten kann.

Hat das Kind schon einen gewis­sen Grad an Auto­no­mie erlangt, domi­niert die Angst davor, die Zunei­gung der Eltern ver­lie­ren zu kön­nen. Und nach und nach kommt die Angst vor Strafe dazu. Dar­über hin­aus ver­in­ner­licht das Kind im Laufe der Ent­wick­lung die For­de­run­gen der Eltern und die sozi­a­len Regeln. So ent­steht das Über-Ich als innere Kon­trol­l­in­stanz, die eine wei­tere Quelle der Angst dar­stellt und zwar der "Gewis­sens­angst".

Aus der inzwi­schen ent­wi­ckel­ten Fähig­keit des Kin­des, Zeit­lich­keit und Begrenzt­heit zu erfas­sen, ent­steht die viel­zi­tierte "Kas­tra­ti­ons­angst", die die Erkennt­nis aus­drückt, dass man das was man hat, auch wie­der ver­lie­ren kann. Dar­über hin­aus ist der Kör­per schon in Ansät­zen sexu­a­li­siert, und diese Tat­sa­che macht die Angst vor Beschä­di­gung des Kör­pers ver­ständ­lich.

 

Gesunde Aspekte der Angst

 
  1. Rea­langst

    Ange­sichts einer äuße­ren Gefahr wird der Mensch kör­per­lich, gefühls­mä­ßig und auf gedank­li­cher Ebene in einen Alarm­zu­stand ver­setzt. Wird die Lage als gefähr­lich ein­ge­schätzt, kann sie ent­we­der durch rea­les Han­deln oder durch Flucht beant­wor­tet wer­den.

    Es ist aber nicht immer mög­lich, in einer angst­be­setz­ten Situa­tion so zweck­mä­ßig zu han­deln. Oft wirkt Angst auch läh­mend ("starr vor Angst"), was Ähn­lich­kei­ten mit dem Tot­stell­re­flex bei bedroh­ten Tie­ren hat.

    Eine wei­tere Mög­lich­keit, auf das Erle­ben von Angst zu rea­gie­ren ist, der Situa­tion eine andere Bedeu­tung zu geben (z.B. nächt­li­che Geräu­sche im Haus nicht Ein­bre­chern son­dern der Katze zuzu­schrei­ben). Diese Umdeu­tung kann rea­li­täts­ge­recht, aber auch eine Ver­leug­nung einer rea­len Bedro­hung sein.

    Wich­tig ist es, ein ange­mes­se­nes Maß an Rea­langst zur Ver­fü­gung zu haben. Genü­gend, um nicht unvor­be­rei­tet in eine Risi­ko­si­tua­tion hin­ein­zu­lau­fen und nicht zuviel, um nicht vor Angst hand­lungs­un­fä­hig zu sein.

    Ein Über­maß an Angst­be­reit­schaft begeg­net einem bei vie­len neu­ro­ti­schen Stö­run­gen, wohin­ge­gen bei man­chen psy­cho­so­ma­ti­schen Stö­run­gen die Fähig­keit, Angst zu erle­ben ein­ge­schränkt zu sein scheint und die Angst nur noch kör­per­lich erlebt wer­den kann.

  2. Signa­l­angst

    Signa­l­angst ent­steht bei der Innen-Wahr­neh­mung. (Signa­l­angst ist ein Pro­zess­ele­ment im psy­cho­ana­ly­ti­schen Modell der intra­psy­chi­schen Regu­la­ti­ons­vor­gänge). Aus­ge­gan­gen wird von einem inne­ren Gleich­ge­wicht, dass durch andrän­gende Bedürf­nisse und Gefühle gestört wer­den kann. Der gesunde Mensch kann dar­auf rea­gie­ren und ent­we­der einen Teil der Bedürf­nisse zulas­sen, oder die Abwehr gegen sie ver­stär­ken.

  3. Angst­lust

    Angst­lust bedeu­tet, eine Ver­knüp­fung der Angst mit erre­gen­den und lust­vol­len Gefüh­len. Angst­ge­fühle machen gerade den Reiz durch den Ner­ven­kit­zel aus und macht das Wag­nis inter­es­sant. Die Angst aus­zu­hal­ten, inten­si­viert die Lust, ob nun bei einer Ach­ter­bahn­fahrt oder einem öffent­li­chen Auf­tritt, etc. Es hat den Anschein als sei ins­be­son­dere bei jun­gen Men­schen ein star­kes Bedürf­nis vor­han­den, sich die­ser Angst­lust aus­zu­set­zen, lässt aber manch­mal die scha­r­fen Gren­zen ver­mis­sen, die es zu einem selbst­ge­fähr­den­den Ver­hal­ten, wie z.B. S-Bahn-Sur­fen, machen.

 

Lite­ra­tur­emp­feh­lun­gen zu Angst

 

 

Angst und ihre Symptome

 

Die Gren­zen zwi­schen der "nor­ma­len" und der sym­ptom­wer­ti­gen Angst sind flie­ßend. Wird ein Mensch durch sein ängst­li­ches Ver­hal­ten immer stär­ker ein­ge­schränkt (kann z.B. nicht mehr unter Men­schen), wird er sei­nen Zustand irgend­wann als gestört erle­ben.

Es las­sen sich vom Erschei­nungs­bild vier kli­ni­sche For­men der Angst unter­schei­den:

  1. Der Angst­an­fall

    Beim Angst­an­fall wird die Angst sehr kör­per­lich erlebt. Der Pati­ent wird aus hei­te­rem Him­mel von Angst über­flu­tet. Die kör­per­li­chen Gefühle gehen von extre­men Herz­ra­sen bis hin zu Befürch­tun­gen vor dem Tod.

    Es ent­steht ein Panik­ge­fühl, das die Hilf­lo­sig­keit vor der erleb­ten extre­men Gefahr aus­drückt. Die Angst­ge­fühle kön­nen so inten­siv erlebt wer­den, dass sofor­ti­ges Han­deln (z.B. den Not­a­rzt rufen, oder ins Kran­ken­haus fah­ren) not­wen­dig wird. Es kön­nen aber keine schwer­wie­gen­den Befunde fest­ge­stellt wer­den. Die­ser Anfall wird als Ich-Fremde erlebt, d.h. es kommt man­chen Pati­en­ten in der Tat wie ein böser Dämon vor.

  2. Die Pho­bie

    Die pho­bi­sche Angst ist an eine Angst machende Situa­tion, einen Ort, ein Tier oder etwas ande­res gebun­den. Dazu gehö­ren bei­spiels­weise Angst vor dem Allein­sein (Mono­pho­bie), die Angst sich in geschlos­se­nen Räu­men auf­zu­hal­ten (Klaus­tro­pho­bie), wei­ter die Angst auf Stra­ßen und Plät­zen (Ago­ra­pho­bie), Angst vor bestimm­ten Tie­ren (z.B. Spin­nen-Pho­bie). Ebenso gehö­ren dazu die Angst vor dem Errö­ten (Ery­thro­pho­bie) und die Angst in Grup­pen von Men­schen (Sozio­pho­bie), Höhen­angst (Akro­pho­bie), um nur einige auf­zu­zäh­len.

    Da die Angst an spe­zi­fi­sche Dinge gebun­den ist, ist es oft auch mög­lich die Angst­si­tua­tion zu ver­mei­den (pho­bi­sche Ver­mei­dung): Der Preis ist eine zuneh­mende Ein­en­gung des Ver­hal­tens und des Bewe­gungs­spiel­raums. Was bleibt, ist die Angst vor der Angst, d.h. die Angst vor der bedroh­li­chen Situa­tion.

  3. Die All­ge­meine (Gene­ral­sierte) Angst

    Es gibt viele Men­schen, die auf dif­fuse Art ängst­lich sind. Sie haben Angst vor dem kom­men­den Tag, z.B. aus Angst vor dem Erle­ben des Ver­sa­gens. Sie neh­men in einer pes­si­mis­ti­schen und resi­gnier­ten Ein­stel­lung ihre Über­for­de­rung und ihr Ver­sa­gen bereits vor­weg. Diese Angst ist deut­lich depres­siv getönt. Im sub­jek­ti­ven Emp­fin­den des Pati­en­ten ist vie­les, was vom The­ra­peu­ten als depres­siv bezeich­net wird, Ängst­lich­keit.

    Die all­ge­meine Angst ist vor allen Din­gen im sub­jek­ti­ven Emp­fin­den des Men­schen ver­an­kert und von außen oft nicht zu erken­nen.

  4. Die Zwangs­be­fürch­tung oder zwang­hafte Angst

    Ein Pati­ent lei­det z.B. unter der Angst, einem Ange­hö­ri­gen könne etwas Schlim­mes zusto­ßen. Die­ser Pati­ent lei­det meis­tens nicht so sehr unter dem Gefühl der Angst, als unter der zwang­haf­ten gedank­li­chen Beschäf­ti­gung mit die­ser Phan­ta­sie. Es han­delt sich also eher um eine Stö­rung des logi­schen Den­kens, als um eine des Gefühls.

 

Erklärungsansätze der Herkunft der Angst

 

Psy­cho­ana­ly­ti­sches Grund­kon­zept

Zunächst soll an einem Bei­spiel das Kon­zept ver­an­schau­licht wer­den. Man stelle sich eine Per­son vor, die starke Angst vor dem Ver­lust einer wich­ti­gen Per­son hat. Diese Angst kann zu Ver­drän­gung von eige­nen, als schlecht emp­fun­de­nen Impul­sen füh­ren, die die wich­tige Per­son ver­an­las­sen könnte, sich von ihnen abzu­wen­den. Wird die Ver­drän­gung gelo­ckert, wird auch die Angst wie­der spür­bar. Hier sind unter­schied­li­che For­men der Angst denk­bar: z.B. Angst vor der eige­nen Trieb­haf­tig­keit, der Angst vor Kon­troll­ver­lust, usw.

Diese Ängste sind weit­ge­hend unbe­wusst und las­sen sich erst im the­ra­peu­ti­schen Pro­zess erschlie­ßen, haben aber nicht im eigent­li­chen Sinne Sym­ptom­cha­rak­ter, son­dern sind Bestand­teil der inner-psy­chi­schen Regu­la­ti­ons­me­cha­nis­men.

Ent­ste­hen Angst­sym­ptome, ist es zwar wei­ter­hin gelun­gen, die Inhalte der Bedürf­nisse ver­drängt zu hal­ten, doch dringt der kör­per­li­che Erre­gungs­an­teil in das Bewusst­sein. Angst kann man in die­sem Ver­ständ­nis als Druck der unge­leb­ten Mög­lich­kei­ten bezeich­nen.

Angst kann auch Aus­druck eines Auto­no­mie-Abhän­gig­keits­kon­flik­tes sein. Das Aus­le­ben die­ses Kon­flik­tes bedeu­tet Neues, d.h. Ver­än­de­rung. Beson­ders aus­ge­prägt ist diese Angst bei Men­schen, die große Angst davor haben, Bezugs­per­so­nen zu ver­lie­ren, daher extrem nach Sicher­heit stre­ben. Das Stre­ben nach Auto­no­mie ist dann beglei­tet von Ver­lu­st­angst. Das Angst­sym­ptom bil­det einen Kom­pro­miss: die erregte Seite mani­fes­tiert sich im kör­per­li­chen Sym­ptom und die ängs­ti­gen­den Phan­tasien in den Befürch­tun­gen. Gleich­zei­tig sichert die Hilf­lo­sig­keit des Angst­kran­ken die beste­hen­den Bin­dun­gen, da sich die ihm nahe ste­hen­den Per­so­nen um den Hilfs­be­dürf­ti­gen küm­mern müs­sen.

Bei der Sym­ptom­bil­dung der Pho­bie ist es kom­pli­zier­ter: Die mit Angst besetzte Situa­tion, wie z.B. ein Zim­mer oder ein Tier, ist der Pro­jek­ti­ons­ort für die ver­dräng­ten Regun­gen. Die inne­ren Ängste sind nach außen ver­legt wor­den und kön­nen so ver­mie­den wer­den.

 

Bewältigung von Angst

 

Es gibt zahl­rei­che Ansätze, um ein Gefühl der über­mäch­ti­gen Angst unter Kon­trolle zu brin­gen. Wäh­rend All­ge­mein­me­di­zi­ner meist ver­su­chen, diese Angst durch Psy­cho­phar­maka zu lin­dern, bemü­hen sich Ver­hal­tens­the­ra­peu­ten darum, die Auto­ma­tis­men der Angst­ent­wick­lung zu unter­bre­chen und sie der eige­nen wil­lent­li­chen Kon­trolle zu unter­wer­fen. Psy­cho­dy­na­mi­sche The­ra­pien unter­neh­men den Ver­such, das was Angst aus­löst, als bis­her unge­lebte Mög­lich­keit zu ver­ste­hen und inte­grie­ren zu ler­nen. Dabei ist es wich­tig zu fest­zu­stel­len, was die Angst aus­löst (viel­schich­tige Ängste). Die ver­schie­de­nen Bewäl­ti­gungs­me­cha­nis­men, die unter­schied­li­che Men­schen wäh­len, um mit die­ser Angst umzu­ge­hen (Ver­leug­nung von Gefahr, Ver­leug­nung, Ver­drän­gung etc.) sind auch aus­schlag­ge­bend für die Wahl der Angst­be­wäl­ti­gungs­stra­te­gie.

"Das Thema von Angst und Angst­be­wäl­ti­gung hat viel zu tun mit Gesund­heit und Krank­heit beim Indi­vi­duum, aber auch mit gesell­schaft­li­cher Nor­ma­li­tät und Patho­lo­gie." (RUDOLF/ S. 191)

Die bio­lo­gi­schen Wur­zeln stam­men von der Annä­he­rung und Aus­ein­an­der­set­zung von Indi­vi­duum und Gruppe, von damit ein­her­ge­hen­den Kämp­fen um die Selbs­t­er­hal­tung einer­seits und den Schutz der ver­trau­ten Gemein­schaft ande­rer­seits. Wei­ter ent­wi­ckeln sich inner­halb die­ses Sys­tems Unter­schiede im Angst­er­le­ben: Die Erhal­tung des eige­nen Lebens tritt zurück, wenn über­grei­fen­dere Ziele wich­ti­ger sind (z.B. Moti­va­tion für Kriege).

Für Bedro­hun­gen, die mit der moder­nen Tech­no­lo­gie in die Welt gekom­men sind, bie­tet das bio­lo­gi­sche Erbe aller­dings keine Reak­ti­ons­mus­ter. Bei Bedro­hun­gen, wie z.B. Gefahr durch radio­ak­tive Sub­stan­zen, las­sen sich große Unter­schiede in der emo­ti­o­na­len Betei­li­gung der Men­schen erken­nen. Viele sind an die­sen Fra­gen völ­lig des­in­ter­es­siert, wohin­ge­gen andere eine stän­dige Bedro­hung füh­len. Das Instinkt­sys­tem stellt kei­nen Maß­stab für diese Art von Risi­ken zur Ver­fü­gung; so bleibt es offen, ob die einen krank­hafte Ver­leug­ner, oder die ande­ren über­trie­ben Ängst­li­che wer­den.

 

Die Angst vor dem Zahnarzt

 

Viele Men­schen ken­nen das: Ein Besuch beim Zahn­a­rzt ist fäl­lig, doch er wird ent­we­der hin­aus­ge­scho­ben oder schwe­ren Her­zens ängst­lich ange­tre­ten. Man­che las­sen ihn sogar aus­fal­len. Grund sind meist die zu erwar­ten­den Schmer­zen. Dabei ist die Furcht unbe­grün­det. Inzwi­schen gibt es zuver­läs­sige Metho­den, Zähne stress­frei behan­deln zu las­sen.

 

Zahn­a­rzt­pho­bie ist keine Aus­nah­me­er­schei­nung

Zuge­ge­ben, die Hälfte von uns hat zwar ein mul­mi­ges Gefühl, rafft sich den­noch auf und erträgt die Behand­lung beim Den­tis­ten mutig. Die andere Hälfte ringt stär­ker mit ihrer Angst. Manch­mal ver­liert sie den Kampf, sodass ein Zahn­a­rzt­be­such unmög­lich wird. Diese Men­schen lei­den unter einer Zahn­a­rzt- oder Zahn­be­hand­lungs­pho­bie, die sie mit­un­ter ein Leben lang beglei­tet. Laut einer Stu­die der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung DKV haben zwei Drit­tel der Deut­schen Angst vor einem Ein­griff an der Zahn­wur­zel. Auch Zah­n­ex­trak­ti­o­nen und ein­fa­ches Boh­ren ste­hen auf der Liste der per­sön­li­chen Grau­sam­kei­ten weit oben. 90 Pro­zent der Befrag­ten wün­schen eine ört­li­che Betäu­bung und 67 Pro­zent wäre es am liebs­ten, sie bekä­men vom Gesche­hen auf dem Zahn­a­rzt­stuhl gar nichts mit.

 

Panik­atta­cken, Herz­ra­sen, Schweiß­aus­brü­che

Die Beklom­men­heit vor dem Zahn­a­rzt kommt bei den Wenigs­ten aus dem Nichts. Oft sind trau­ma­ti­sche Erleb­nisse ver­gan­ge­ner Jahre die Ursa­che. Ein unsen­si­bler Arzt bei­spiels­weise, der dem Pati­en­ten bereits in Kin­der­ta­gen ein nega­ti­ves Erleb­nis ver­schaffte. Nicht sel­ten ist auch abträg­li­ches Gerede ande­rer Leute ein Aus­lö­ser der Pho­bie. Betrof­fene beschleicht allein beim Gedan­ken an einen Zahn­a­rzt Unbe­ha­gen. Rückt ein Ter­min näher, stel­len sich Panik­atta­cken, ver­bun­den mit Herz­ra­sen, Schweiß­aus­brü­chen, bis hin zu Brech­reiz und Durch­fall, ein. Bekommt man seine Pho­bie nicht in den Griff, wer­den The­ra­pien abge­bro­chen oder nicht begon­nen. Ein Teu­fels­kreis: Die Zähne ver­fal­len und Schmer­zen, Ent­zün­dun­gen sowie Abszesse stel­len sich ein. Selbst lebens­be­droh­li­che Kom­pli­ka­ti­o­nen könn­ten ent­ste­hen. Am Ende wer­den Ope­ra­ti­o­nen und sta­ti­o­näre Auf­ent­halte not­wen­dig. Sie sind Aus­lö­ser noch grö­ße­rer Ängste.

 

Schmerz­freie Behand­lun­gen ohne Zusatz­kos­ten

Soweit muss es jedoch nicht kom­men! Leid­tra­gende soll­ten sich recht­zei­tig über schmerz­freie Ver­fah­ren im Bereich Zahn- und Kie­fer­be­hand­lung erkun­di­gen und Den­tal­pra­xen mit ent­spre­chend aus­ge­bil­de­tem Per­so­nal auf­su­chen. Schon eine Bera­tung im Vor­feld kann ihnen einen Groß­teil der Pho­bie neh­men. Es müs­sen aller­dings nicht unbe­dingt Tief­schlaf und Voll­nar­kose sein. Auch beru­hi­gende Düfte und beson­dere Kopf­hö­rer, die das Sir­ren des Boh­rers aus­blen­den, hel­fen. Wel­che Methode die Rich­tige ist, ent­schei­det letzt­end­lich der Pati­ent. Wer Mehr­aus­ga­ben befürch­tet, sei beru­higt. Die Kos­ten über­neh­men die Kran­ken­kas­sen.

 
 

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Dipl.-Psych. Volker Drewes
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